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projekt: justizzentrum leoben

Die Lage und Topografie des Baugrundstückes für das Justizzentrum ergibt schlüssig die Anordnung des Gerichtsgebäudes zur Stadt hin gewandt und dahinter liegend die Justizanstalt. Mit sehr klaren und in ihrer Dimension der Nutzung entsprechenden Baukörpern icwird ein städtebauliches Zeichen für die Zentrumserweiterung von Leoben gesetzt.

Das Gerichtsgebäude – gleichsam als Schaufassade zur Stadt hin – stellt in seiner Ausführung als offenes, transparentes Bauwerk das neue Selbstverständnis der Justiz dar. Kein „Justizpalast“, sondern eine moderne, offene, lichtdurchflutete, bürgernahe „Servicestelle“. Die Gerichtsstellen – Landesgericht, Staatsanwaltschaft, Bezirksgericht – werden durch die dreigeschossige Erschließungshalle miteinander verbunden. In den darüber liegenden Geschossen befinden sich die zum jeweiligen Gericht gehörenden Büro- und Verwaltungsräume, die durch eigene Baukörper nochmals betont werden. Durch die Doppelfassade im Verwaltungstrakt war es möglich, die innere Haut mit einer Holzoberfläche zu gestalten.

Die Konzeption der mehrfach gesicherten Justizanstalt folgt einer im Vorfeld theoretisch erarbeiteten Grundstruktur: Hinter dem vorgeschalteten Eingangs-, Verwaltungs- und Besucherbereich werden entlang einer Verteilerebene mit übergreifenden Einrichtungen Hafteinheiten nach dem Pavillonsystem gestaffelt, welche sowohl in horizontaler als auch vertikaler Richtung erweiterbar sind.

In Leoben wurde dieses System sehr kompakt ausgeführt, wobei wichtigstes organisatorisches und gestalterisches Kriterium die Optimierung der Aufenthaltsqualität für Angestellte und Insassen war. Dabei wurden Lebensumstände geschaffen, die bezüglich der Wohn-, Arbeits- und Freizeitsituation dem Alltag in Freiheit ähneln und Resozialisierungsmaßnahmen bestenfalls überflüssig machen. Die Hafteinheiten sind wie Wohngemeinschaften angelesgt, in denen jeweils bis zu fünfzehn Personen untergebracht sind. Jede Einhiceit verfügt über Teeküche, Sanitärblock, Gymnastik- und Aufenthaltsraum sowie eine Loggia, welche die interne Bewegungsfreiheit um die Dimension des „ins Freie Tretens“ erweitert. Arbeits- und Freizeiteinrichtungen sind so angelegt, dass sie von den Insassen unbegleitet und selbstständig aufgesucht werden können. Das entlastet die Angestellten und beugt einer völligen Entmündigung vor. Die jeweils einer Abteilung zugeordneten Höfe, der Spaziergarten am Dach und die Sportanlagen sind Filter zwischen Insassen und Mauer bzw. so ausgebildet, dass kein unerlaubter Kontakt nach außen hergestellt werden kann, jedoch stellen auch sie in Dimensionierung und Gestaltung den Menschen in den Mittelpunkt und vervollständigen den Mikrokosmos einer modernen Justizanstalt.

Anschrift: A-8700 Leoben, Dr. Hanns-Groß-Straße 7 u. 9 / Baubeginn: November 2002, Fertigstellung: November 2004 / Nutzfläche: 16.962 m² / Bruttogeschossfläche: 27.346 m² / Umbauter Raum: 98.151 m³ / Baukosten: EUR 39,4 Mio netto / Errichtungskosten: EUR 46,0 Mio netto / Bauherr: Bundesimmobiliengesellschaft mbH, Wien / Nutzer und Mieter: Bundesministerium für Justiz, Wien
Generalplaner: Hohensinn Architektur / Projektleitung: Josef Schneider, Irene Falkner, Wolfgang Frischenschlager (bis Einreichung) / Mitarbeiter: Peter Rous, Helmut Lanz, Armin Pirnat, Wolfgang Fraueneder, Martin Pallier-Rosenberger, Ulrike Maier, Konrad Promitzer / Einrichtung: Christine Demander, Angelika Sprinz, Sonja Frühwirth, Lena Neubauer /
ÖBA Einrichtung: Raimund Kuschnig / ÖBA Medientechnik: Ing. Franz Pischler Engineering, Graz
Fachplaner: Statik ARGE STATIK JZ LEOBEN, ILR Lukas & Rath ZT GmbH, Graz; Spirk & Partner ZT GmbH, Salzburg / Elektroplanung: Ing. Franz Pischler Engineering, TB für Elektrotechnik, Graz / HKLS–Planung: TB Ing. Heinrich Pickl, Graz / Bauphysik Rosenfelder & Höfler Consulting Engineers GmbH & Co KEG, Graz / Kostenmanagement u. Ausschreibung: Dipl.-Ing. Werner Lorenz Zivilingenieur für Bauwesen, Graz / Küchenplanung TCG TECHNOLOGIE CONSULT GMBH, Maria Enzersdorf / Preisträger Architekturpreis des Landes Steiermark 2004 / Preisträger: Geramb Dankzeichen für gutes Bauen 2006 / Publikation: Justizzentrum Leoben/Leoben Centre of Justice – Neue österreichische Gerichts- und Strafvollzugs-Architektur – Ein Beispiel für „Kunst am Bau“, Information / Bestellkarte unter www.big.at